INTERVIEW MIT ROLAND WOLF,
FIRMENGRÜNDER ROLF SPECTACLES


Brillen sind heutzutage wieder ein cooles Accessoires. Wie ist Ihre grundsätzliche Präferenz bei Brillen: Eher coole Fliegerbrille wie Tom Cruise bei Top Gun oder softige Nickelbrille à la John Lennon?

Brillen sind Accessoires und Statement und müssen zum Typ passen. Es geht darum, authentisch zu sein. Der typische ROLF Träger ist Individualist mit einem Feingefühl für Design und Technik, der das Besondere sucht und schätzt. Bei ROLF geht es um mehr als nur Brillen, jedes Design ist etwas Besonderes und Einzigartiges.



Wie sind Sie zur Brille gekommen? Immerhin sind Sie im beschaulichen Lechaschau (Österreich) groß geworden. Wird man da normalerweise nicht Skilehrer oder betreibt gemütliche Ferienwohnungen?

Unsere Heimat inmitten der Tiroler Berge spielt eine große Rolle, wir bleiben unseren Wurzeln treu. Der Weg zur ROLF Brille hat einige Stationen, unter anderem auch das Betreiben einer Snowboardschule, das Restaurieren von Oldtimern bis hin zur Optikerlehre mit einigen Jahren im Vertrieb. Der Rest ist Geschichte!



Brillengestelle werden gemeinhin aus Kunststoff produziert. Warum produzieren Sie Brillen aus Holz?

Holz ist ein interessantes Material und fand bei uns schon immer viel Verwendung im privaten Bereich. Zu diesem Zeitpunkt war es ein wenig verwendetes Material in der Branche. Holz lebt und jede Holzart hat ihre Besonderheiten. Mit der Verwendung von natürlichen Materialien wie Holz wird jede Brille zu einem Unikat.



Was ist die besondere Herausforderung bei der Verarbeitung von Holz, Arbeit mit Furnier?

Bei der langen Wachstumsphase entwickelt der Baum seine einzigartige Struktur, die sich in Festigkeit, Größe und Textur unterscheidet. Damit wird schnell klar, dass das Material individuell zu behandeln ist. Holz ist kein homogenes Material. Man muss die richtigen Werkzeuge wählen, um optimale Ergebnisse zu erzielen, um das Material in Form zu bringen und bearbeiten zu können. Manche Holzarten werden mit der Zeit heller, andere dunkeln nach. Wenn das Holz Feuchtigkeit aufnimmt, quillt es auf. Wird dem Holz die Feuchtigkeit entzogen, schwindet das Material. Damit das Brillengestell in Form bleibt, muss der Rohstoff sorgfältig ausgewählt werden. Eigens entwickelte Technologien bringen das Holz in die richtige Form und eliminieren einen möglichen Verzug und Verspannungen im Material.



Sicherlich taugt nicht jede Holzart zur Herstellung von Brillengestellen! Welche Holzarten verwenden Sie überwiegend?

Bevorzugt werden Hölzer, die in unseren Breitengraden wachsen. Leider können für die Brillenfertigung nicht blindlings beliebige Hölzer verwendet werden. Interessant war für uns von Anfang an Räuchereiche. In Europa die dunkelste Holzart mit interessanter Geschichte. Während der Baum über Jahrhunderte im Moor eingebettet ist, geht er eine Verbindung ein, die für das Nachdunkeln verantwortlich ist.





Aller Anfang ist schwer. Wie lange hat es von der Idee über den Prototypen bis zum ersten markttauglichen Brillengestellt gedauert?

Im Jahr 2007 haben wir im elterlichen Keller mit einfachsten Werkzeugen begonnen, Brillenfassungen zu schnitzen. Der erste Prototyp war bereits nach einem Monat fertig gestellt, das Ergebnis jedoch bei Weitem nicht zufriedenstellend. Nun mussten wir uns viele Sachen aneignen. Cnc-fräsen, Pressverfahren entwickeln und neue Maschinen bauen, um immer näher an unsere jetzigen Brillen heranzukommen. Auf der Opti 2009 stellten wir weitere Prototypen vor. Zum ersten Mal konnten wir die Reaktionen auf das Produkt abschätzen. Es begeisterte, doch die erwünschte Qualität der Brillen blieb aufgrund unpräziser Verarbeitung aus. Das Gelenk wurde optimiert und die Prozesse überarbeitet. Im August 2009 wurde die erste „perfekte“ Rolf Brille auf der Fach-messe Silmo in Paris für den Silmo d'Or Award eingereicht. Die Nominierung für den in der Optikerbranche sehr bekannten und angesehenen Silmo d‘Or war für uns schon unglaublich, der Sieg unfassbar!



Stimmt es eigentlich, dass Sie sich zur Herstellung der ersten Prototypen die Melkmaschine vom Nachbarn geliehen haben? Was haben Sie damit denn gemacht?

Unsere Brillen sind eigenständig, was Material und Fertigungstechnik anbelangt. Es müssen fast alle Maschinen speziell konstruiert und umgebaut werden. In der Anfangsphase wurden Mopedbremsen, alte Zylinder und vieles mehr aus Geldmangel provisorisch zu Maschinen für die Produktion umfunktioniert. Um damals die ersten Formteile biegen zu können, wurden aus dem Wohnzimmertisch und der Melkmaschine des Nachbarn die Hölzer gepresst. Verwendung findet die Presse noch in der Entwicklung. Für die heutige Brillenfertigung kommen mittlerweile hochpräzise Maschinen zum Einsatz bis die Fassungen in hochqualifizierte Hände geraten, die sie weiter verarbeiten.



Brillen von ROLF SPECTACLES sind reine Holzbrillen ohne Schrauben. Haben Sie dies von vornherein so geplant oder hat sich dies so ergeben? Und vor allem wie funktioniert das?

Von Beginn an setzten wir uns das Ziel, ein wartungsfreies und schraubenloses Gelenk aus Holz zu entwickeln. Das patentierte Holzgelenk ist schraubenlos, wartungsfrei und mit einer Stoppfunktion versehen, die den Kontakt des Bügels mit dem Glas verhindert. Zudem hält das Gelenk den Bügel im offenen und geschlossenen Zustand in der richtigen Position und verhindert ein selbstständiges Auf- und Zuklappen.





Der Werkstoff Holz steht auch immer für Ökologie und Nachhaltigkeit? War dies auch ein Grund auf Holz zurückzugreifen? Sind Sie ein grüner Avantgardist?

Nur wenige Sachen sind so zeitlos wie Holz. Schon immer wurde Holz in den unterschiedlichsten Arten verarbeitet, ob als Pfeilspitze, Bilderrahmen, Kunstwerk oder als Möbelstück. Es genießt eine hohe Bedeutung.



Für das innovative Design Ihrer Brillen sind Sie 2010 mit dem red dot design award ausgezeichnet worden. Hatten Sie zwischenzeitlich Zweifel an Ihrer Idee, Brillengestelle aus Holz zu produzieren?

„Wir folgen unseren Visionen und bleiben unseren Wurzeln treu“ – ein Credo, dass wir im wahrsten Sinne des Wortes auch leben. Wir hatten somit nie wirklich Zweifel an unserer Idee, Brillen aus Holz und anderen natürlichen Materialien herzustellen. Die zahlreichen, verschiedenen Auszeichnungen über die letzten 5 Jahre sind Beweis genug. Allein den erwähnten red dot design award konnten wir bereits dreimal für uns entscheiden – mit der Holzbrille „Olympia 04“ 2010, der Steinbrille „Skylark 41“ 2012 und der Holz-Horn-Brille „Arabella 71“ 2014.



Apropos Design! Stammt das Design der Brillen auch von Ihnen oder arbeiten Sie mit Designern zusammen?

Für das Design der Brillenfassungen ist zum Großteil Mary verantwortlich, es wird alles hausintern designt und umgesetzt. Die Leidenschaft für alte Autos und Brillen sind die Grundlagen für das Design einer jeden ROLF Brille, jedes neue Design trägt einen Oldtimernamen.



Ihre Brillen aus Holz erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit. Wenn ich mich jetzt für ein Model entscheiden würde, wie lange müsste ich auf das gute „Stück“ warten?

„Gut Ding braucht bekanntlich Weile“, eine handgefertigte ROLF Brille erfreut den Brillenträger lange Zeit. Die Original ROLF Brillen sind bei ausgewählten Optikern erhältlich, entweder lagernd oder mit geringen Lieferzeiten für das gute „Stück“.



KUNSTWERK IM GESICHT

ROLAND WOLF ÖFFNET DER BRILLENWELT DIE AUGEN FÜR DEN WERKSTOFF FURNIER.


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