INTERVIEW MIT SARAH MAIER,
GESCHÄFTSFÜHRERIN DER URSULA MAIER WERKSTÄTTEN GMBH


Ihre Firma ist 104 Jahre alt. Von Ihrem Großvater gegründet, leiten Sie das Unternehmen bereits in der vierten Generation. Empfinden Sie dies manchmal auch als Bürde?

Eine Familientradition ist immer Freude und Last, Chance und Begrenzung zu gleich. Gesegnet ist, wer in diesem Dualismus Inspiration und Innovation leben kann.



Mit Ihrer Sarah Maier collection vereinen Sie bedingungslos gut gebrauchbares Design mit hochwertiger Qualität und immer in Verbindung mit Furnier. Bei Ihrem jüngsten Möbel verwenden Sie Poison Wood. Woher kommt die Inspiration für ein solches Möbel?

Im Falle meines jüngsten Möbels, das Highboard in Poison Wood, kam die Inspiration definitiv vom Furnier. Dieses war so aufregend und raumbeanspruchend, das ich einen freistehenden Raumteiler mit aufrichtbarer Oberfläche ersonnen habe.



Sie habe ein sehr inniges Verhältnis zum Werkstoff Holz. Welche Eigenschaft von Holz finden Sie am interessantesten?

Wenn ich philosophisch antworten darf: Holz ist der längste Begleiter des Menschen. Als Material bildet es Reproduzierbarkeit, Vergänglichkeit, Veränderung durch Reife, und unendliche Individualität ab. Genau wie wir Menschen auch. Holz riecht gut, ist hautwarm, beweglich – allesamt wichtige Eigenschaften eines guten Freundes!



Aber Ihre ganz große Passion gilt doch dem Furnier. Woher kommt die Faszination? Und was genau fasziniert Sie am Furnier?

Wenn Sie einen Baum aufsägen, sieht jedes Holz anders aus. Charakterreiche Kernhölzer finden Sie niemals zwei Mal identisch. Von daher trägt das Gestalten mit außergewöhnlichen Furnieren auch eine endgültige Komponente: Es gibt keine zweite Chance, und auch keine Duplikate.





Wie läuft es eigentlich ab? Bauen Sie zuerst ein Möbelstück und suchen dann das passende Furnier? Oder inspiriert Sie das Furnier zum Möbelbau?

Beides kommt vor. Wenn ich für Kunden arbeite, lerne ich den Menschen kennen und kann dann auch genau eine Holzsorte empfehlen, die zu ihm oder der Familie, der Firma passt. Nicht jedes Möbel findet in Furnier seine optimale Oberfläche. Oft kombiniere ich auch Lack, Stein und viel Farbe mit ein bisschen Furnier.



Und wenn Sie dann eine Idee haben. Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Möbelstück?

Das ist so eine Sache mit der Kreativität! Wenn ich bereit bin, passiert es im Moment, in dem die Tinte das Papier berührt. Aber bereit sein, ist nicht immer einfach (lacht herzlich).



Vertreiben Sie Ihre Möbelstücke nur in Deutschland oder haben Sie auch Kunden im Ausland?

Gerade die Laptop Tower oder der Küchenblock in Nussbaum mit magentafarbener Arbeitsplatte sind auch in USA sehr beliebt. Ich hoffe, dass ich bald auch Kundenkreise in Russland und China erschließen kann.



Mal ganz ehrlich. Tut es Ihnen manchmal richtig weh, wenn Sie ein besonders tolles Möbelstück fertiggestellt haben und es dann „abgeben müssen“.

(Überlegt). Eigentlich - nein. Meine größte Freude ist ja die Freude der Menschen, die damit leben. Und könnte ich die Stücke nicht weitergeben, könnte ich ja keine neuen produzieren.



Und zum Schluss: Wie sieht es eigentlich bei Ihnen daheim aus? Haben Sie auch gekaufte Möbel oder kommen bei Ihnen nur selbstgefertigte Möbel ins Haus?

Ich habe natürlich viele festeingebaute Dinge aus meiner eigenen Schreinerei zuhause, vor allem Stauraum (kann ich übrigens nur wärmstens empfehlen, das macht es ungemein leichter, ästhetisch zu wohnen). Ich lebe auch mit ein paar Möbeln, die z. B. mein Vater gestaltet hat und ein paar wenige meines Urgroßvaters. Dennoch liebe ich auch das ein oder andere Designerstück anderer Firmen, vor allem wenn sie aus anderen Handwerken kommen, wie Metallbau, Steinmetz etc.

Was ich allerdings immer wieder mal versucht habe und jedes Mal daran scheitere: Von Vormietern oder Freunden übernommene Billigmöbel, das ertrage ich nur für ganz kurze Zeit. Ich brauche hohe Qualität um mich herum, sonst lebe ich lieber weiter aus der Kiste.



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